Treffen sich ein Kreuzritter und der Tod am Strand. "Warte einen Augenblick", sagt der Ritter. Antwortet der Tod: "Das sagen sie alle. Aber ich lass nicht mit mir handeln". Kurze Pause, dann sagt der Ritter: "Du spielst gerne Schach, nicht wahr?" "Woher weißt du das?", fragt der Tod – und ist auf einmal doch interessiert. Die beiden einigen sich auf eine letzte Partie und der eigentlich zum Tode bestimmte Ritter Antonius Block gewinnt noch ein wenig Zeit. Diese Begegnung ist sicherlich das ikonischste Schachspiel der Kinogeschichte. Gefilmt wurde es – natürlich – von Ingmar Bergman, mit Max von Sydow als Ritter Block und Bengt Ekerot als personifizierter Tod. Sehr liebevoll parodiert wurde das übrigens Jahre später im zweiten Teil der Bill & Ted-Trilogie, wo die beiden einen ganz ähnlich aussehenden Tod zum Duell fordern und Spiele wie "Schiffe versenken", "Cluedo" und "Twister" spielen.
Eine literarische und filmische Verneigung vor dem Schachspiel ist natürlich auch Die Schachnovelle. Zuletzt verfilmte Philipp Stölzl die tragische Geschichte von Flucht, Exil und Krieg, die sich um ein Schachspiel zwischen dem traumatisierten Dr. B. und dem wortkargen Schachweltmeister Mirko Czentovic auf einem Dampfer nach Buenos Aires dreht. Eine Route, die auch der Schriftsteller Stefan Zweig einst fuhr, als er sein Leben in Europa hinter sich ließ und noch vor Veröffentlichung seines erfolgreichsten Buches Suizid beging.
Das 1994 veröffentlichte Drama von Boaz Yakin bringt das Schachspiel auf die Straßen New York Citys und befreit es vom Hauch der Hochkultur, der es meistens im Kino umweht. Aber Schach wird eben auch in den Parks der Großstädte gespielt – von ehemaligen Gang-Mitgliedern, Rentner*innen, obdachlosen Menschen oder gar Teenagern. Michael, Spitzname Fresh, (Sean Nelson) ist zwölf Jahre alt und arbeitet schon für den Drogendealer Esteban. Er trifft seinen Vater Sam (Samuel L. Jackson) heimlich im Park, um mit ihm über das Schachspielen zusammenzufinden. Die Partien der beiden sind nicht nur wundervoll anzuschauen, weil sie inmitten der pulsierenden Metropole passieren, sie sind auch ein metaphorisches Leitmotiv dieses sehr ergreifenden Films.
Regisseur und Oscar-Preisträger Edward Zwick (Love and other Drugs, Traffic) lässt in diesem hintergründigen Thriller Tobey Maguire als fragiles Genie und Rockstar des Schachs, Bobby Fischer, gegen Superstar Liev Schreiber als russischen Schachaltmeister Boris Spasski antreten (Foto oben). Nichts passiert ohne Grund in diesem Kampf der Nationen, denn vor dem Prätext der Schachweltmeisterschaft ist jeder Spieler eine Figur in einem größeren Spiel und jeder Schachzug bereits berechnet. Ein Film, den man dieser Tage – im Angesicht der Spannungen zwischen Russland und Amerika – noch einmal mit neuen Augen sieht, gerade weil die Parallelen zwischen Schach und Welt- bzw. Kriegspolitik offensichtlich sind.
Im strengen Sinne ist dies natürlich kein Kinofilm, aber die Netflix-Produktion Das Damengambit mit Anya Taylor-Joy in der Rolle der Elizabeth "Beth" Harmon hat nun mal den jüngsten Schach-Hype losgetreten. Die Verfilmung des Romans von Walter Trevis lässt viel Raum für die wichtigsten Schachpartien der Handlung und findet vor allem eine sehr aufregende Bildsprache für diese Duelle. Berater der Serie waren unter anderem der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow und der US-amerikanische Schachtrainer Bruce Pandolfini. Der große Erfolg der Serie inmitten der Pandemie sorgte für spürbare Mehrverkäufe von Schachbrettern und -Figuren. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb zum Beispiel im Januar letzten Jahres süffisant über den Hype "Schach ist das neue Klopapier". Dass auch die Schach-Prominenz sehr interessiert auf die Serie schaute, merkte man vor allen an Videos wie diesem, in dem der norwegische Schachweltmeister Magnus Carlsen das finale Spiel zwischen Beth und Borgov analysiert.
DK